2. JavaDays
in Düsseldorf
Wärmer
fernsehen
Christian
Kirsch
Klasse, nicht nur Masse, sollen die JavaDays für
Entwickler attraktiv machen. So freuten sich die Veranstalter
über ein Fünftel mehr Besucher und 50 % höheren
Umsatz genauso wie über das Interesse an den wissenschaftlichen
Vorträgen.
Seit letztem Jahr teilen sich Sun Microsystems und die
Gesellschaft für Informatik (GI) die Verantwortung
für die JavaDays: Sun kümmert sich um die
Deutsche Java-Entwicklerkonferenz und die GI um die
Java-Informationstage. Unterschiedliche Interessen der
Veranstalter zeigten sich vor allem im Vortragsprogramm.
Sun stellte im Wesentlichen Features und Geplantes rund
um sein JDK vor, wobei viele Neuigkeiten seit der JavaOne
[1] bekannt waren.
Auf der anderen Seite hatte sich die GI um wissenschaftlich
anspruchsvolle Beiträge bemüht, die nicht
alle in die Java-Euphorie einstimmten. So berichtete
Karsten Spohr von der Universität Marburg über
Möglichkeiten, den Bytecode-Verifizierer der JVM
auszutricksen. Professor Müller-Schloer aus Hannover
betonte den wissenschaftlichen Anspruch: Lieber habe
man auf einen halben Track verzichtet, als Zweitklassiges
anzubieten.
Suns `Chief Technology Officer' Greg Papadopoulos sprach
in seiner Eröffnungsrede über die Zukunft
des Netzes aus seiner Sicht. Er präsentierte einmal
mehr die `Vision' vom Zusammenwachsen verschiedener
Geräte und Dienste. Entwickler forderte er auf,
nicht wegen mangelnder Bandbreite auf Projekte zu verzichten:
`Don't bet against bandwidth.' Die Vergangenheit habe
gezeigt, dass Bandbreite wie Leistungsfähigkeit
der Hardware schnell wachse. Seine Vermutung, in naher
Zukunft schon würde die Art der Netzanbindung keine
Rolle mehr spielen, weil xDSL, Kabelmodems, Satelliten,
ISDN und so weiter gleichermaßen verfügbar
und benutzbar seien, zeugte jedoch eher von Optimismus
als von Kenntnis hiesiger Verhältnisse.
Chief Erewan
Speaker
Etwas mehr über Suns Java-Pläne sollte das
persönliche Gespräch mit Papadopoulos bringen.
Dessen Ergebnisse hätten jedoch Radio Erewan alle
Ehre gemacht: Die KVM, auf der JavaOne vor drei Monaten
noch groß angekündigt, ist weiterhin `sehr
interessant' (aber nicht offiziell verfügbar).
Java und Linux - ebenfalls interessant, Sun helfe bekanntlich
bei der Integration von Java Server Pages in den Apache.
An eine JVM für Linux könne man unter Umständen
mal denken. Das StarOffice-Portal komme, aber wann,
was und wie blieb im Dunkeln.
Bei den 38 Ausstellern dominierten Anbieter von Dienstleistungen
und Application-Servern. Von Java auf dem Desktop redet
praktisch niemand, selbst NCs waren nicht zu sehen.
ProSyst präsentierte einen Application Server,
der gleichfalls als Jini-Server fungieren kann. Enterprise
Java Beans sind offenbar allgemein als kommende Technik
akzeptiert, werden aber im Gegensatz zu Werkzeugen für
ihre Herstellung, Verwaltung und ihren Einsatz noch
kaum verkauft. Borland gewährte einen Blick auf
die Pre-Beta seiner zu 100 Prozent in Java geschriebenen
IDE, die wohl PrimeTime heißen soll. IBM zeigte
ausschließlich ihr San Francisco Framework, VisualAge
für Java fehlte. NetBeans präsentierte die
neueste Version seiner gleichnamigen Entwicklungsumgebung,
die ebenfalls in Java geschrieben ist.
Vor der CeBIT hatte Suns Chef Scott McNealy eine JVM
für Psions Betriebssystem EPOC angekündigt.
Auf den JavaDays war sie zu sehen und samt SDK zu bekommen:
Psion verkaufte Organizer mit integrierter JVM für
knapp 800 DM. EPOC ist ein gemeinsamer Standard von
Psion, Ericsson, Nokia und Motorola, und Java dürfte
die Softwareentwicklung für Geräte dieser
Hersteller vereinfachen. 3Com war ebenso abwesend wie
deren auf der JavaOne zu Dumpingpreisen verkaufte Kombi
aus PalmV und JVM. Auf den Sun-Ständen feierte
man derweil Jini und die diversen Dienstleistungen der
Firma.
Boomender
Markt, zu viel Arbeit
Echte Jini-Anwendungen waren erwartungsgemäß
nicht zu sehen, die Hoffnungen sind jedoch groß.
So beschäftigte sich ein Vortrag mit dem Thema
`Jini - ein guter Geist in der Gebäudetechnik',
konnte jedoch noch keine greifbaren Ergebnisse vorstellen.
Manche Ideen konnten jedoch nicht überzeugen. So
glaubte ein Aussteller an den alles könnenden Fernseher,
der nicht nur TV- und IP-Dienste bieten, sondern auch
die Heizung steuern soll - all das natürlich dank
Embedded Java. Selbst Fernsehsüchtigen dürfte
es kaum plausibel erscheinen, dass sie bei defekter
Glotze frieren müssen.
Dass der Java-Markt boomt, zeigt das Arbeitsangebot.
Java-Programmierer sind immer noch schwer zu bekommen,
und die GI-Professoren klagten, Doktoranden seien kaum
noch zu finden. Viele Studenten brächen mittlerweile
vor dem Diplom ab, wenn sie am Ende des Praktikums ein
verlockendes Angebot bekommen.
Es ist schwer zu beurteilen, wie das Konzept der gemischten
Tagung bei den Teilnehmern ankommt: Über Marketinglastigkeit
der Sun-Vorträge gab es ebenso Klagen wie über
zu komplizierte Beiträge im GI-Teil. Immerhin kamen
in diesem Jahr mehr Besucher als zu den letzten JavaDays
in Frankfurt, und beide Veranstalter wollen das Projekt
im nächsten Jahr wiederholen. Das Datum steht noch
nicht fest, Düsseldorf wird als Ort angestrebt.
(ck)
Literatur
[1] Uwe Steinmüller, Christian Kirsch; Von Micro
bis Enterprise; 4. JavaOne in San Franciso; iX
8/99, S. 10
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