3. vereinigte GI Fachtagung "Objektorientierte Programmierung für die vernetzte Welt" aus • JAVADAYS • STJA • JIT

Net.ObjectDays 2002 : Aktuelles : Presse Echo

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Presseecho

Stellvertretend zitieren wir hier einen Artikel aus dem letzten Jahr:


"OO-Expedition" (iX)

Aus iX 11/01, S.14, Kai Böllert, Christian Kirsch

© 2001 Verlag Heinz Heise GmbH & Co KG, Hannover.

2. Net.ObjectDays

OO-Expedition

Kai Böllert, Christian Kirsch

Mitte September fanden die Net.ObjectDays zum zweiten Mal in Erfurt statt. Trotz gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangener Besucherzahlen und stark reduzierter Ausstellungsteilnahme zeigten sich Besucher wie Veranstalter zufrieden.

Wieder einmal war es den Organisatoren gelungen, zugkräftige Rednerinnen und Redner für die OO-Tagung zu gewinnen, unter anderen Simon Phipps (Sun), Stephan Schambach (Intershop), Brad Cox (Virtual School) und Adele Goldberg (Smalltalk-Erfinderin). Nicht in allen Fällen hielten die Vorträge jedoch, was die großen Namen versprachen. So lieferte Stephan Schambach eine in jeder Hinsicht langweilige Marketingansprache ab, obwohl Intershop sicher Interessantes über objektorientierte Entwicklung hätte sagen können - oder über seine Erfahrungen mit der New-Economy.

Am ersten Tag der insgesamt viertägigen Konferenz fanden Tutorien statt, die sich mit allerhand aktuellen Techniken befassten; die Palette reichte von E-Business-Patterns über XML bis zu SQL 99. Ähnlich breit gefächert war das Vortragsprogramm: `Versicherungsanwendungen im Internet' fanden hier ebenso ihre Zuhörer wie die `Generative Container Implementation in C++', die `Realisierung natürlichsprachiger Webagenten in Java' und `Business-Angel - nur Engel?'. Wie dieser Querschnitt zeigt, blieb die Veranstaltung dem Konzept treu, Industrie und Forschung zusammenzubringen.

Mehr und weniger spritzig

Frisch und witzig trotz später Stunde präsentierte Julian Mack (Putz & Partner Unternehmensberatung AG) neue Ansichten zum Thema Management von Softwareprojekten. Seiner Meinung nach stimmt das vielfach beschworene Bild, die Entwicklung von Softwaresystemen gleiche dem Bau von Gebäuden, nicht. Vielmehr ähnelte Softwareentwicklung einer Expedition in teilweise unbekanntes Gebiet, was zu einer Reihe von Konsequenzen für das Management von Entwicklungsteams führt. Wer überprüfen möchte, ob Julian Mack damit Recht hat oder lediglich Begriffe austauscht, sei für einen Einstieg auf www.frankwestphal.de/Software-Expedition.html verwiesen.

Als deutlich weniger spritzig hingegen entpuppte sich der Beitrag von Dieter Rombach zum Thema `Software Quality Management'. Was er vortrug, war schon vor rund dreißig Jahren unter dem Stichwort `Softwarekrise' aktuell. Die wichtige Frage, warum sich in dieser langen Zeit offenbar wenig geändert hat, blieb offen. Die langen Mittagspausen und mehrere Abendveranstaltungen nutzten viele Teilnehmer, um unter anderem darüber zu reden.

Reisebüro oder Biotechnik

Einen Tag nach dem New Yorker Attentat war mit dem Titel der Podiumsdiskussion `The next generation killer application' niemand mehr zufrieden - wenigstens in Krisenzeiten sind tötende Anwendungen unschicklich. Von den Berühmtheiten auf der Bühne kam wenig Wegweisendes, was sicher zum Teil den lähmenden Fernsehbildern geschuldet war. Immerhin enttäuschte Adele Goldberg die Erwartungen: Sie sagte keiner klassischen IT-Anwendung, sondern gentechnischen Erfindungen den größten Erfolg voraus. Professor Unland hingegen wollte das Reisebüro neu erfinden: Er wünschte sich ein für seinen Bedarf konfigurierbares Tourismusangebot im Internet, das per Stimme bedienbar sein sollte. Visionäreres war auf dieser Veranstaltung nicht zu hören.

Teilkonferenz zu Produktlinien

Ein Schwerpunkt der Unterkonferenz GCSE (Generative and Component-Based Software Engineering) war das Thema Produktlinien. Eine Produktlinie legt eine gemeinsame Architektur für Softwaresysteme aus einem bestimmten Anwendungsbereich fest und stellt darüber hinaus Komponenten zur Verfügung, die diese Architektur mit Leben erfüllen. Der hohe Grad an Wiederverwendung reduziert Entwicklungszeit sowie -kosten und erhöht die Qualität der ausgelieferten Systeme. Dass solche Versprechungen in der Praxis tatsächlich eintreten, bestätigte Detlef Schmitt (Sema GmbH) in seinem Vortrag über die Entwicklung einer Produktlinie für zivile und militärische Simulatoren. Allerdings: Konkrete Zahlen zu Einsparungen durch die Produktlinie konnte (oder wollte) er nicht nennen.

Erneut thematisiert wurde auf der GCSE die aspektorientierte Programmierung (AOP). Nach Einschätzung von Lutz Dominick (Siemens AG) klingt der Hype um AOP ab. Stattdessen kehrt Ernüchterung ein und sorgt für eine realistische Bewertung des Nutzens von AOP. Dennoch, mit der für Oktober geplanten 1.0-Version von AspectJ, Xerox PARCs AOP-Erweiterung für Java (aspectj. org), rückt der industrielle Einsatz von AOP erstmals in greifbare Nähe. Grund genug für Siemens, AOP ab sofort in Praxisprojekten anzuwenden, insbesondere um Sicherheitsaspekte in medizintechnische Software zu implementieren.

Langeweile stellte sich bei einigen GCSE-Vorträgen aus der Forschung ein, was meist am fehlenden Praxisbezug der Arbeiten lag: Wer braucht eine weitere Programmiersprache, wenn die Welt schon so viele inkompatible Sprachen beherbergt? Erwähnenswert dagegen ein Forschungsprojekt aus Finnland: Kai Koskimies präsentierte FRED (`FRamework EDitor'), ein Werkzeug, das Entwickler aktiv unterstützt, während sie ein Framework für eine Anwendung spezialisieren (practise.cs.tut.fi/fred/).

Zumindest für 2002 trennen sich die Wege der Net. ObjectDays und der GCSE. Um die internationale Ausrichtung der generativen Softwareentwicklung zu verstärken, findet die GCSE im kommenden Jahr zusammen mit der SAIG (Semantics, Applications, and Implementation of Program Generation) im Herbst in den USA statt; wo genau, verrät in Kürze www.generative-programming.org. Ob die Trennung 2003 wieder aufgehoben wird, vermochte noch keiner der Organisatoren zu sagen.

Unklar ist ebenfalls noch, ob die Net.ObjectDays (www.netobjectdays.org) im nächsten Jahr wieder in Erfurt stattfinden. Aus Veranstalterkreisen war zu erfahren, dass die Thüringer Landesregierung die Konferenz in Zukunft weniger fördern wolle, Nordrhein-Westfalen stehe einem Zuschuss jedoch wohlwollend gegenüber. Wünschenswert wäre für die Zukunft ein deutlicher Hinweis der Veranstalter, dass die Beiträge in der Regel Deutsch zu halten sind: Weder Zuhörern noch Vortragenden ist mit radebroken `Gerglish' gedient. (ck)

Anm. des Editors: Jawohl, wir haben verstanden und werden Gerglish als Konferenzsprache nicht mehr zulassen...

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