Net.ObjectDays 2001

2. vereinigte GI Fachtagung "Objektorientierte Programmierung für die vernetzte Welt" aus • JAVADAYS • STJA • JIT

Net.ObjectDays 2001 : Aktuelles : Presse Echo

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Presseecho

Stellvertretend zitieren wir hier einen Artikel aus dem letzten Jahr:


"Aus zwei mach eins" (iX)

Aus iX 12/00, S.28, Kai Böllert, Christian Kirsch

© 2000 Verlag Heinz Heise GmbH & Co KG, Hannover.

Erste net.objectdays in Erfurt

Aus zwei mach eins

Kai Böllert, Christian Kirsch

Was im letzten Jahr noch Javadays beziehungsweise STJA (Smalltalk und Java in Industrie und Ausbildung) hieß, fand dieses Jahr unter dem Namen net.objectdays im neuen Erfurter Kongresszentrum gemeinsam statt - mit 1200 Teilnehmern eines der größten deutschen Treffen von OO-EntwicklerInnen.

Auffallend war schon im Vorfeld die Unterstützung der Veranstaltung durch die Thüringer Landesregierung. Sie steuerte rund 200 000 Mark bei, der Wirtschaftsminister sprach ein Grußwort und die Bildungsministerin lud zum Empfang. Eine Auswirkung des ministerialen Engagements konnten alle Teilnehmer spüren: Mit maximal 800 Mark waren die Gebühren für den viertägigen Kongress ausgesprochen niedrig.

Als Keynote-Sprecher des ersten Tages traten Simon Phipps von Sun und CORBA-Spezialist Michi Henning auf. Während Phipps vor allem das Firmenmotto `The network is the computer' auswalzte und einmal mehr die Zukunftsvision des ständig vernetzten Menschen beschwor, wartete der zweite Redner mit einer der witzigsten und bissigsten IT-Ansprachen dieses Jahres auf.

In seiner `Computing Fairy tales' bezeichneten Rede beleuchtete Henning den aktuellen Zustand der Softwareentwicklung vor allem aus Sicht der Anwender. Statt echter Verbesserungen und schnellerem Arbeiten, so sein Fazit, hätten die letzten Jahre nur zu immer mehr niedlichen Bildchen und längerer Arbeitszeit vor dem Rechner geführt. `Vor fünf Jahren hatte ich einen 386er mit 8 MByte Speicher, der bootete in 30 Sekunden. Heute dauert es fünf Minuten, bis mein 800-MHz-Pentium-II-Rechner mit 128 MByte arbeitsfähig ist.' Softwarehersteller, so Henning, müssten sich von den Hackern trennen, denen es nicht um bessere Produkte, sondern nur um das eigene Ego gehe. Als Beleg für das öffentliche Bild vom Softwareentwickler führte er Buchtitel wie `C++ for Dummies' an - ein vergleichbares `Nuclear Energy in 21 easy lessons' suche man zu Recht vergebens.

Ein Themenschwerpunkt des net.objectdays-Vorgängers STJA war stets die Programmiersprache Smalltalk. Was ist nach der Fusion davon geblieben? Eine Unterkonferenz `Objektorientierte Systeme einschließlich Smalltalk', von deren zehn Beiträgen gerade einmal zwei Bezug auf Smalltalk nahmen. Dennoch: Wie der Smalltalk-Abend bewies, lebt die Sprache und ist für die (microsoftsche) Zukunft bestens gewappnet.

Hauptbestandteil des Abends war der zweistündige, gut besuchte Vortrag von David Simmons (Quasar Knowledge Systems, QKS). QKS entwickelt eine auf Smalltalk basierende Skriptsprache, genannt SmallScript, die auf Microsofts .NET-Plattform aufsetzt. Damit bricht es mit der Isolation von Smalltalk und schlägt eine Brücke zu anderen Sprachen: Eindrucksvoll demonstrierte Simmons, wie SmallScript Komponenten aus C#, C++ und Visual Basic einbinden kann. Eine erste Version des SmallScript-Compilers will QKS demnächst freigeben (www.qks.com).

Extreme Programming: Fragen und Antworten

Wer am Dienstag abend nicht Erfurt im Dunkeln besichtigen wollte, konnte an dem von Daedalos Consulting organisierten Treffen zu Extreme Programming (XP) teilnehmen. In entspannter Atmosphäre diskutierten etwa 25 Interessierte, wie XP im Projektalltag am besten umzusetzen ist. Kann es in Ein-Mann-Projekten sinnvoll betrieben werden? Welchen Umfang sollten Unit-Tests aufweisen? Wie testet man, möglichst automatisiert, Benutzeroberflächen? Antworten auf solche Fragen gibt's auch im deutschsprachigen XP-Forum (www.egroups.com/group/xp-forum/).

Wieder dabei auf der net. objectdays war das Symposium für generative und komponentenbasierte Softwareentwicklung, verstärkt durch einen Workshop zur Template-Metaprogrammierung in C++. Natürlich fehlten auch Beiträge zu Anwendung und Verbesserung aspektorientierter Programmiertechniken (AOP) nicht. Cristina Lopes (Xerox PARC) stellte in ihrem Tutorium ein Werkzeug zur Aspekt-Programmierung in Java vor: AspectJ. Das Open-Source-Werkzeug bewegt sich zielstrebig auf das Ende der Betaphase zu. Die Integration in kommerzielle Entwicklungsumgebungen wie den JBuilder kommt ebenfalls voran (aspectj.org).

Trotzdem vertiefte sich der Eindruck, dass der in den letzten Jahren um AOP entfachte Hype abklingt. Denn immer noch bleibt die Forschung eine Antwort auf die Frage schuldig, inwieweit AOP für die Softwareentwicklung wirklich von Nutzen ist. Die angespannte Finanzlage von Xerox lässt zudem befürchten, dass das nicht gewinnorientierte AspectJ-Forschungsprojekt dem Rotstift zum Opfer fallen könnte.

Verglichen mit den letztjährigen JavaDays wirkte die Ausstellungsfläche in Erfurt nur spärlich besetzt. Die Veranstalter verwiesen zwar darauf, dass in diesem Jahr mit 51 Ausstellern deutlich mehr Firmen vertreten seien, am Eindruck einer gewissen Leere änderte das aber nichts. Zumal einige Anbieter auf einem OO-Entwicklerkongress deplatziert wirkten - Intershop ebenso wie örtliche ISPs. Andere Firmen wiederum verzichteten ganz auf die Vorstellung ihrer Produkte und beschränkten sich auf Personalsuche.

Nach der aus den Nähten platzenden JavaOne Mitte des Jahres denkt Sun über eine europäische Java-Entwicklerkonferenz nach. Während der net.objectdays konnten Teilnehmer sich an einer Umfrage dazu beteiligen. Unter den Städten, für die Schulnoten zu vergeben waren, kam Erfurt nicht vor. Es ist also unklar, ob die diesjährige Veranstaltung dort eine Fortsetzung findet (ck)

Literatur

[1] Christian Kirsch; Java-Entwicklung; Wärmer fernsehen; 2. JavaDays in Düsseldorf; iX 11/1999, S. 14

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